Gefahrguteinsatz Schachendorf 1997

Am Abend des 20.10.1997 passiert ein Gefahrguttransporter beladen mit einer ätzenden und brennbaren Flüssigkeit den Grenzübergang Schachendorf. Bei der Kontrolle wird festgestellt, dass an der Oberseite des Mehrkammerfahrzeuges ein beißender weißer Rauch entweicht.

 

 

 

Die Grenzwachebeamten alarmieren über den Notruf 122 die Feuerwehralarmzentrale, welche entsprechend der Alarmierungsordnung G3 die ortsanlässige Feuerwehr Schachendorf und den Gefährliche Stoffe Zug Südburgenland (STF Oberwart und Pinkafeld) an die Einsatzstelle schickt.
Die Feuerwehr Schachendorf erreicht um etwa 19:15 Uhr als erstausrückende Feuerwehr den Einsatzort und sichert der GAMS folgend (Gefahr erkennen, Absperren, Menschenrettung durchführen, Spezialkräfte alarmieren) die Einsatzstelle großräumig ab, macht die erste Erkundung und Sicherstellung der Fahrzugpapiere und baut einen dreifachen Brandschutz auf. Der Schadstoff-Experte der Stadtfeuerwehr Pinkafeld, er weilt zufällig in Schachendorf auf Besuch, kann eine erste Stoffidentifizierung durchführen und den Gefahrgutzug Südburgenland, welcher sich noch auf der Anfahrt befindet, in die Lage unterweisen.

Lage: 

Aus einem defekten Domdeckel eines Tankwagens beladen mit 25.000 Liter Dimethylpropylamin mit der Gefahrennummer 83 und der UN-Stoffnummer 2734 treten bei der dritten Fahrzeugkammer Flüssigkeitsdämpfe aus. Dimethylpropylamin ist eine ätzende und brennbare Flüssigkeit, die u.a. für die Herstellung von Tensiden und als Grundstoff in der chemischen Industrie verwendet wird. Es sind keine Personen in Gefahr und es besteht keine weitere Ausbreitungsgefahr. Dämpfe können mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch bilden, ein dreifacher Brandschutz wurde bereits aufgebaut. Aufgrund der ätzenden Dämpfe ist Vorgehen mit Schutzstufe 3 erforderlich.

Ankunft des Gefährliche Stoffe Zugs Südburgenland:

Nach Einweisung der Gefährliche Stoffe Zugs rüsten sich 3 Mann mit Schutzanzügen der Schutzstufe 3 aus und versucht die Ursache für die Leckage zu finden. Parallel dazu werden Ex- und Schadstoffmessungen durchgeführt. Nach Öffnen des Domdeckels wird erkannt, dass eine der O-Ring Dichtungen so stark beschädigt ist, dass trotz Nachziehen der Knebelschrauben die Leckage nicht abgedichtet werden kann.

Abdichten und Abtransport des Gefahrguttransporters:

Zwischenzeitlich ist auch der Landesfeuerwehrchemiker eingetroffen. Nach einer kurzen Beratungsphase wird entschieden, die Domöffnung mit einer PVC-Folie zu überspannen und mit Silikon festzukleben. Durch zusätzliches Schließen und Anspannen des Domdeckels kann letztendlich das Leck abgedichtet werden, was durch Gasmessungen bestätigt wird. Die beiden eingesetzten Schutzanzugstrupps werden abschließend am Deko-Platz dekontaminiert. Da der Gefahrgut LKW weiterhin den Grenzübergang Schachendorf blockiert, wird entschieden unter Polizeischutz den LKW auf einen gesicherten Abstellplatz eine Speditionsfirma in Oberwart abzustellen. Am darauffolgenden Tag wird der Inhalt des Gefahrguttransporters in einen anderen Tankwagen umgepumpt, wobei die Feuerwehr den dreifachen Brandschutz übernahm.

Resümee: 

Der Schadstoffeinsatz am Grenzübergang Schachendorf war die erste größere Bewährungsprobe für den Gefährliche Stoffe Zug Süd. Die Erkenntnisse, die bei dem Einsatz gewonnen wurden, wurden in die weitere Gefährliche Stoffe Ausbildung aufgenommen.