Explosion in der Firma Ausrtoherm in Pinkafeld 1996

Die Firma Austrotherm ist einer der größten Industriebetriebe in Pinkafeld. Sie umfasst gemeinsam mit ihrer Tochterfirma Murexin ein Betriebsgelände von mehr als 20.000 m2. In den Betriebshallen der Firma Austrotherm wird Polystyrolrohmaterial zu Styropor verschäumt. Der Betrieb ist der Feuerwehr aufgrund mehrerer Einsätze in der Vergangenheit sehr gut bekannt. Erst vor wenigen Monaten wurden sämtliche Einsatzunterlagen auf den neuesten Stand gebracht.

 

 

Es ist Montag, der 29. Juli, einige Minuten vor 17.00 Uhr. Ein lauter Pfeifton gefolgt von einem ohrenbetäubenden Knall lässt den Angestellten eines nahe gelegenen Tonstudios hochfahren. Er sieht im ca. 300 Meter entfernten Betriebsgelände der Firma Austrotherm Pinkafeld weißen Rauch aufsteigen. Sofort verständigt er über Notruf den ortsansässigen Gendarmerieposten. Zur gleichen Zeit gelangt über digitales Telefonwählgerät ein Alarm der Firma Austrotherm in der Landeswarnzentrale in Eisenstadt ein. Der weitergeleitete Notruf des Gendarmerieposten Pinkafeld an die Landeswarnzentrale bringt Gewissheit: kein Fehlalarm sondern eine Explosion in der Firma Austrotherm Pinkafeld.

 

Die Feuerwehr Pinkafeld rückt alarmiert über Sirene und Rufempfänger um 17.02 Uhr mit einem KDO Fahrzeug, einem RLF 3000, einem TLF 4000, einem SRF und einem KLF und 43 Mann zum Einsatzort aus. Schon die Fahrt zum Einsatzort gestaltet sich sehr schwierig, da aufgrund herumliegender Gebäudeteile die Zufahrt beträchtlich erschwert ist.

 

Stadtfeuerwehrkommandant BR Ernst Kleinrath übernimmt die Erkundung am Einsatzort: Durch eine vorerst unbekannte Explosion ist ein Großteil des Hallenkomplexes eingestürzt, das Dach weist ein riesiges Loch mit einem Durchmesser von ca. 25 Meter auf. Da er den Verdacht einer Gasexplosion und das weitere Ausströmen von Gas nicht ausschließen kann, befiehlt er einem Atemschutztrupp unter Vornahme eines HD-Rohres die weitere Erkundung durchzuführen. Der Verdacht von Gasaustritt kann nach kurzer Erkundung sehr rasch verworfen werden.

   

Erst durch einen herbeigerufenen Firmenangehörigen finden die Feuerwehrmänner eine schwer verletzte Person, die durch die Wucht der Explosion einige Meter durch die Luft geschleudert und unter Maschinenteilen eingeklemmt wurde. Nach dem notdürftigen Beseitigen der Maschinenteile wird die verletzte Person, die offene Brüche und Platzwunden sowie einen schweren Schock aufweist, sonst aber ansprechbar und bei vollem Bewusstsein ist, von den feuerwehreigenen Sanitätern bis zum Eintreffen des Notarztes versorgt. Hier muss nachträglich erwähnt werden, dass sich die Erste-Hilfe-Ausrüstung unserer Feuerwehr, die sicherlich weit über die übliche Standardausrüstung hinausgeht (Notfall-Erste-Hilfe-Koffer, Sauerstoffbeatmungsgerät usw.), sowie die Investition in unzählige Schulungsstunden der Ersten Hilfe bestens bewährt haben. Erst nach dem Eintreffen des Notarztes und der Verabreichung von schmerzlindernden Mitteln kann mit der weiteren Bergung der eingeklemmten Person fortgefahren werden.

 

In der Zwischenzeit wurde eine Standeskontrolle sämtlicher Firmenangehöriger veranlasst, um sicher zu gehen, dass sich unter den Trümmern keine weiteren Personen mehr befinden.

 

Im Laufe der weiteren Erkundung wird festgestellt, dass mehrere Fässer Öl, die betriebseigene Trafostation sowie eine Vielzahl von ölführenden Maschinen beschädigt wurden. Da die Abflüsse in diesem Betriebsbereich direkt in die nahe gelegene Pinka münden, muss eine Ölsperre errichtet werden. Um die Wirksamkeit der Ölsperre zu erhöhen entscheidet Einsatzleiter BR Ernst Kleinrath um 17.45 Uhr, die Feuerwehr Riedlingsdorf und Oberwart zu alarmieren.

 

Noch am selben Tag treffen Sachverständige der Bezirkshauptmannschaft, der Pinkafelder Elektrizitätswerke und der Gendarmerie am Einsatzort ein. Da aufgrund der enormen Intensität der Explosion eine Bombe nicht ausgeschlossen werden kann, muss das Betriebsgelände bis zum Eintreffen des Entminungsdienstes gesperrt werden. In den nachfolgenden Tagen besichtigen unzählige Sachverständige den Einsatzort, die Feuerwehr Pinkafeld hält noch eine Woche die Ölsperre aufrecht, da die ca. 1500 Liter Öl, die bei dieser Explosion in die Pinka gelangten, im Betriebsgelände aufgrund der enormen Zerstörung nicht gebunden werden konnten.